Bild: Roman Synkevych

Linux-Distribution

Was ist eine Linux-Distribution?

Der Begriff „Distribution“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Verteilung“ oder auch „Vertrieb“. Das ist im Prinzip auch schon, was du dir unter einer Linux-Distribution vorstellen kannst: Ein Paket, das Linux beinhaltet und so weit aufgearbeitet wurde, dass ein vollständiges Betriebssystem daraus entstanden ist. Dieses kannst du nun installieren und verwenden.

Wenn dir der Begriff „Distro“ über den Weg läuft: Das ist die Kurzform von „Distribution“ und gemeint ist in dem Zusammenhang so gut wie immer eine Linux-Distribution.

Wozu das Ganze?

Linux an sich ist nur der Kernel. Damit ein vollwertiges Betriebssystem daraus wird, benötigst du noch viele weitere Komponenten. Die meisten davon sind dem GNU-Projekt entsprungen. Deshalb müsste es – nach dem Willen der Free Software Foundation – eigentlich „GNU/Linux“ heißen. Manche Distributionen nennen sich sogar so, etwa „Debian GNU/Linux“.

Gemeinsam haben die Pakete allesamt, dass es sich dabei nur um den Quelltext handelt. Von dir wird eigentlich erwartet, dass du Nerd genug bist, um daraus die Programme so zu kompilieren, dass du damit arbeiten kannst. Da viele Nutzende aber nicht über das nötige Know-how verfügen, haben sich über die Zeit Distributionen gebildet, die das für dich übernehmen.

Nur in den seltensten Fällen sind die Programme in den einzelnen Distros zu 100 Prozent aus dem „offiziellen“ Quelltext der individuellen Pakete entstanden. Meistens nehmen die Entwickler Änderungen vor, um die Programme an die Distribution anzupassen. Die Entwickler einer Linux-Distribution haben eine gewisse Vorstellung davon, wie das System am Ende funktionieren soll. Das ist einer der Gründe, warum es mittlerweile eine reichhaltige Auswahl gibt.

Neben dem Zusammenstellen und Verteilen, zeichnen sich die meisten Distributionen durch ein Paket-System aus. Dieses erlaubt es dir, schnell und einfach neue Programme zu installieren, nicht mehr benötigte Komponenten wieder zu entfernen oder aktualisierte Anwendungen aufzuspielen. Auch hierbei finden sich diverse Herangehensweisen bei den Entwicklern: Manche bevorzugen Stabilität und aktualisieren innerhalb einer Version ihrer Distro keine Pakete (mit Ausnahme von Fehlerbehebungen und dem Schließen von Sicherheitslücken), andere nutzen ein sogenanntes Rolling Release. Dabei installierst du die gerade aktuelle Version („Snapshot“) und aktualisierst dein System im laufenden Betrieb, wodurch auch Funktionsupdates installiert werden.

Beispiele für eine Distribution

Wie schon erwähnt, gibt es eine Reihe von Linux-Distributionen. Eine der bekanntesten ist Debian GNU/Linux. Sie ist zudem eine der ältesten, noch aktiv gepflegten. Auf Debian basieren viele andere Distros, die zwar grundsätzlich mit dem Kurs der Entwickler einverstanden sind, aber in Details doch andere Wege bestreiten möchten. Stammt eine Distribution von einer anderen ab, spricht man von einem „Derivat“. Das wohl bekannteste unter den Debian-Derivaten dürfte Ubuntu sein. Ubuntu bekommt häufiger als Debian größere Updates, die auch neue Funktionen mitbringen und wird zudem von der Firma Canonical gesponsert und kommerziell unterstützt.

Weitere Linux-Distributionen, die etwa Rolling Releases verwenden, sind Gentoo Linux und Arch Linux.

Wie finde ich die richtige Linux-Distribution für mich?

Du solltest wissen, dass es von den „General Purpose“-Distros her kaum einen Unterschied macht, für welche du dich entscheidest. Bis auf speziell auf einen Anwendungszweck zugeschnittene Vertreter, gibt es niemand, der per se etwas besser oder schlechter kann als ein anderer. Es gibt jedoch Unterschiede darin, was die einzelnen Distros auszeichnet. Hier wäre es eine gute Idee, wenn du dir auf der Webseite die Projektbeschreibungen ansiehst. Aus ihnen kannst du oft schon ableiten, wo die Entwickler hinwollen.

Wenn du eine Distribution für einen Server suchst, solltest du eine verwenden, mit der du dich wohlfühlst. Das schließt ein, dass du mit dem Paket-Manager vertraut bist und die Entwickler einen für dich passenden Kompromiss aus Funktionen und Stabilität anbieten.

Während sich viele Anleitungen im Internet 1:1 auf andere Distros übertragen lassen, sind es häufig die Konfigurationsdateien, die anders aufgebaut sind. Das liegt etwa an Pfaden, die sich unterscheiden. Insofern solltest du vielleicht keine zu exotische Spielart wählen. In den allermeisten Fällen ist es aber problemlos möglich, ein Derivat zu verwenden. Wenn du auf eine Anleitung für Debian stößt und Ubuntu verwendest, stehen die Chancen gut, dass die Anleitung dennoch funktioniert.

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, solltest du verschiedene Distributionen in einer virtuellen Maschine ausprobieren. Ein kostenloses Programm hierfür ist VirtualBox, das auf allen relevanten Betriebssystemen lauffähig ist. In einer virtuellen Maschine kannst du dir das Gast-Betriebssystem in Ruhe anschauen. Deinem Host-System passiert dabei nichts.